Weichen stellen, um Innovationskraft zu sichern
18.02.2026 / Landespolitik besuchte den Campus Berlin-Buch anlässlich der IHK-Roadshow zum Gesundheitsstandort Berlin 2030
Auf Einladung der IHK Berlin informierten sich am 17. Februar Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Berlin auf dem Campus Berlin-Buch über Innovationsbedingungen in der Gesundheitswirtschaft und darüber, wie Berlin als international führender Gesundheitsstandort bis 2030 gestärkt werden kann.
In ihrem aktuellen Positionspapier „Gesundheitsstandort Berlin 2030“ sieht die IHK als Kernthemen, um die Innovationskraft Berlins zu stärken, u.a. eine schnellere Umsetzung von Forschung in marktfähige Lösungen, einen verlässlichen Zugang zu Daten und Räumen, eine reibungslose Infrastruktur- und Kapitalnutzung sowie eine dauerhafte Integration internationaler Fachkräfte.
Innovationstreiber und Motor der Gesundheitsbranche: Campus Berlin-Buch
Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH und Prof. Dr. Maike Sander, Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center, begrüßten die Gäste im Gründerzentrum BerlinBioCube und stellten Buch als Berliner Zukunftsort vor.
In Berlin-Buch arbeiten rund 6.500 Menschen in der Gesundheitswirtschaft, davon rund 3.000 auf dem Wissenschafts- und Biotechcampus. Exzellente biomedizinische Forschungseinrichtungen und einer der größten Biotechparks bilden ein starkes Ökosystem für Innovationen. Bedeutende Spin-offs wie T-knife, Captain T Cell oder Tubulis haben ihren Ursprung in der hiesigen Forschung. Der Campus hat das Potenzial, gemeinsam mit neuen Firmen, weiteren Forschungsinstituten oder Pharma-Partnern Innovationssysteme und Hubs weiter auszubauen. Benachbarte Flächen sind bereits für Neuansiedlungen und wachsende Biotech-Firmen reserviert. „Start-ups benötigen die Interaktion mit anderen Start-ups, sie benötigen schnell Partner und Zugang zu Hochtechnologien – all dies bietet unser Standort“, so Dr. Quensel.
Neue Hubs in Berlin wie das Bayer Co.Lab oder das CLIC begrüßt Dr. Quensel als komplementäre Entwicklungen, die die Innovationskraft der Stadt stärken.
Standortbedingungen verbessern – in Buch und berlinweit
Als wichtige Entwicklungsthemen für den Standort wurden eine bessere Verkehrsanbindung und der Bau von Wohnungen für Mitarbeitende benannt.
Dr. Andreas Hüser, Geschäftsführer von CheckImmune, einer Ausgründung aus der Charité, gab in den Räumen seines Start-ups einen Einblick in Herausforderungen, mit denen sich Gründer in den Life Sciences in Berlin konfrontiert sehen. „Wir benötigen in unserer Stadt einen Wandel. Wer gründen möchte, sollte Unterstützung von allen Beteiligten bekommen. Damit wir Sogwirkung in ganz Europa und darüber hinaus entwickeln, brauchen wir für unsere Innovationen hochqualifizierte Sparringpartner in den Regulierungsbehörden und eine deutlich schlankere Bürokratie. Behörden sollten sich als Unterstützer verstehen.“ Dr. Verena Schöwel, CEO und Mitgründerin des Campus-Spin-offs MyoPax ergänzte: „Das Warten auf Genehmigungen kostet Start-ups Geld, weil inhaltlicher Fortschritt in dieser Phase blockiert ist.“
Diskutiert wurde eine mögliche Orientierung an Best-Practise-Lösungen anderer Bundesländer, die weniger komplizierte Zulassungsbedingungen haben.
Potenzial sieht Dr. Hüser auch darin, Netzwerke mit VC-Investoren zu intensivieren, um Life-Science-Innovationen stärker als Teil von DeepTech ins Rampenlicht zu rücken. Es gäbe in Berlin mit seiner hochkarätigen Forschungslandschaft und dem wachsenden Mindset für Gründungen alle Voraussetzungen dafür.
Dr. Quensel betonte, dass Deutschland hervorragende Förderbedingungen für die Entwicklung wissenschaftlicher Innovationen böte, aber privates Kapital unabdingbar sei, um neue Medikamente auf den Markt zu bringen: „Eine künftige bessere Gesundheitsversorgung darf nicht am Geld scheitern.“
Hidden Champion mit globaler Perspektive
Im Anschluss besuchten die Abgeordneten die Konzernzentrale der Eckert & Ziegler SE auf dem Campus. Der Vorstandsvorsitzende, Dr. Harald Hasselmann, stellte das global agierende Unternehmen mit Schwerpunkt Radiopharmazie vor, das in 30 Jahren weltweit Standorte aufgebaut hat und über 1.000 Mitarbeitende hat.
Dr. Hasselmann zeigte noch einmal auf, wie bedeutsam eine verbesserte Anbindung für den Standort ist und unterstrich die Wichtigkeit von schnelleren Bearbeitungszyklen bei Genehmigungen.
Anhand des von IHK Berlin, Gesundheitsstadt Berlin und VBKI entwickelten Positionspapiers wurden im Anschluss politische Rahmenbedingungen diskutiert für eine schlankere Regulatorik, für eine Strategie zur einheitlichen Erfassung und Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung sowie die Bindung von Tech-Talenten.
Lars Mölbitz, IHK Berlin, betonte: „Das Positionspapier zeigt ganz praktisch, welche Hürden den Berliner Gesundheitsstandort bremsen und wie sich diese Hürden überwinden lassen. Der Abbau dieser Hürden kann die Gesundheitswirtschaft Berlins deutlich voranbringen.“
Link zum Positionspapier